10. März 2019

Generation Y

Fluchtgrund: Hierarchie?

Warum Millennials Autoritätskonflikte oft mit Kündigung beantworten

 

Das vielleicht stärkste gemeinsame Merkmal der Generation Y ist der veränderte Umgang mit Hierarchien. Andreas Ludwig, CEO der Umdasch Group, kennt diese Zuschreibung. „Die Generation der Zwanzig- bis Fünfunddreißigjährigen hat tatsächlich ein hohes Selbstbewusstsein und den Glauben, dass alles möglich ist. Das mag irritieren. Aber eigentlich nur jene, die bequem führen wollen.“ Martin Stöckl von Infineon begegnet das veränderte Mindset ebenfalls: „Hierarchien werden von den Zwanzig- bis Mittdreißigjährigen sehr konstruktiv in Frage gestellt.“ Wenn es um Fachfragen geht, erklärt er, wollen Junge heute auch Hierarchiestufen überspringen dürfen und mit ihrer Meinung gehört werden.

„Ich glaube, dass vor allem jene Vorstandskollegen von den Ansprüchen von Millennials irritiert sind, die bequem führen wollen.“ Andreas Ludwig, CEO der Umdasch-Group

Gegen Blockaden

Um eine grundsätzliche Auflösung von Hierarche-Strukturen geht es der Generation Y indessen nicht. Was sie aber wirklich vehement ablehnen, sind Blockaden im Unternehmen, die dazu führen, dass gute Ideen unverwirklicht bleiben, sagt busuu-Chef Niesner: „Frühere Generationen haben eher versucht, in solchen Situationen diplomatisch zu agieren, eventuell den Vorgesetzten des Chefs zu überzeugen. Die Millennials sagen tendenziell: Dazu ist mir meine Zeit zu schade. Ich suche mir einen anderen Job.“

„Vorgesetzte müssen erkennen, in welchen Prozessen sie Millennials als gleichberechtigte Experten behandeln – und wann sie die Vorgesetzten-Rolle einnehmen müssen.“ Harald Katzmair, Gründer und Eigentümer des Netzwerkanalyseunternehmens FASresearch

Wechselspiel

Die große Herausforderung für Führungskräfte, die mit Millennials zusammenarbeiten, bleibt daher eine Haltung, die man am besten als permanenten Rollenwechsel bezeichnen kann. Die Vorgesetzten müssen erkennen, bei welchen Prozessen sie ihre Mitarbeiter als in jeder Hinsicht gleichberechtigte Experten behandeln müssen und wann sie die klassische Vorgesetzten-Position einnehmen sollen und klar den Weg vorgeben. „Das auseinanderzuhalten und dann auch zu leben ist heute wohl die größte Herausforderung für Führungskräfte“, kommentiert Harald Katzmair von FASresearch die Situation. „Denn sowohl Autoritarismus als auch Anarchie sind in einem Unternehmen dysfunktional.“

„Für Millennials bedeutet Karriere durchaus, einmal ein Team zu führen und danach wieder untergeordnete Rollen einzunehmen.“ Martin Stöckl, Global Head of Organization Effectiveness, Infineon Technologies AG

Coaching

In diesem Umfeld wird die Führungskraft immer mehr zum Coach, der im Dialog mit Mitarbeitern Ziele entwickelt, anstatt sie von oben vorzugeben. „Wir versuchen die Leute an das Lenkrad ihrer Karriere zu setzen. Denn genau das wollen junge Talente: Sie wollen für ihr Fortkommen etwas tun können“, sagt Martin Stöckl von Infineon. Und er fügt hinzu: „Wenn die Karriere zu hundert Prozent vom Vorgesetzten abhängig ist, ist das für sie unbefriedigend.“


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