8. März 2019

Löhne

Mädchen wählen ganz freiwillig Lehrberufe, die schlechter bezahlt sind

Heute steht jungen Frauen jeder technische Lehrberuf frei - sie wählen aber ganz freiwillig am häufigsten Lehrberufe im Einzelhandel, als Bürokauffrau und Friseurin. Dazu kommt: Häufig steht für junge Frauen nicht der Verdienst und nicht die Karriere im Mittelpunkt, sondern soziale Aspekte.

 

Die Gehaltsunterschiede zwischen Frauen und Männern beginnen bereits bei der Wahl der Lehrstelle: Wie eine APA-Auswertung der Lehrlingsstatistik sowie des AMS-Gehaltskompass zeigt, haben bei Burschen beliebte Lehrberufe nach der Lehrzeit höhere Einstiegsgehälter als jene, die von Mädchen gewählt werden. Schon die Lehrlingsentschädigungen sind unterschiedlich hoch.

Laut Lehrlingsstatistik der Wirtschaftskammer absolvierten 2018 mehr als ein Drittel der 72.710 männlichen Lehrlinge die Ausbildung zum Metall-, Elektro- oder Kfz-Techniker. In diesen drei beliebtesten Lehrberufen winkt laut AMS-Gehaltskompass nach Lehrabschluss ein durchschnittliches Brutto-Einstiegsgehalt von über 2.130 Euro im Monat.

Laut WKO-Lehrlingsstatistik waren rund ein Drittel der Lehrlinge in Österreich Mädchen (Stand Dez. 2018). Nur ca. 30 % dieser weiblichen Lehrliche hat sich für einen technischen oder handwerklichen Beruf entschieden. ©Fotolia

Die Top-3-Lehrberufe bei Mädchen – Einzelhandel, Bürokauffrau und Friseurin – haben hingegen meist Einstiegsgehälter von weniger als 2.000 Euro brutto monatlich. 43,3 Prozent der 35.205 weiblichen Lehrlinge wählten einen dieser drei Berufe.

Technnische Lehrlinge besser entschädigt
Am Anfang der Lehrzeit sind Unterschiede in der Regel noch gering. In technischen Lehrberufen steigen die Lehrlingsentschädigungen aber im Lauf der Ausbildung tendenziell stärker als in anderen Berufen. Die meisten Lehrlingsentschädigungen liegen im ersten Lehrjahr zwischen 600 und 750 Euro monatlich. Ausnahmen nach unten gibt es beispielsweise beim Beruf des Konditors mit rund 400 Euro und nach oben beim Maurer mit 963 Euro.

Das Angebot bestimmt die Zukunft
Die Lehrlingsexpertin der Arbeiterkammer, Edith Kugi-Mazza, stellt infrage, dass es eine echte freie Wahlmöglichkeit gibt und sie plädiert für ein breiteres Angebot an Lehrstellen. Die Liste der häufigsten Lehrberufe bedeute nämlich nicht, dass das die beliebsten seien. “Das Problem ist, wenn man sich die angebotenen Lehrstellen ansieht, findet man viele Angebote im Handel,  Tourismus und im Bereich Friseur, Kosmetik und Fußpflege”, sagte Kugi-Mazza. Zum Teil seien das auch kleinere Betriebe, die – im Vergleich zu großen Industrieunternehmen – oft weniger zahlen und wo der gewerkschaftliche Organisationsgrad geringer sei. Insgesamt sei es ein sehr vielschichtiges Thema.

Bei der Berufswahl spielen der Expertin zufolge viele unterschiedliche Gründe eine Rolle, wobei oft entscheidend  auch das familiäre Umfeld  sei und was die Freunde machen . Oft sei die Stelle beim Friseur oder einem Geschäft im Ort der leichtere Weg.

Mehr Mädchen ansprechen
Kugi-Mazza erzählte von Gesprächen mit Jugendlichen bei Berufsinformationsveranstaltungen, bei denen sie Gehaltstabellen herzeigte. “Das hat den Mädels schon zu denken gegeben”, schildert die Expertin. Sie ist überzeugt, dass je mehr Frauen technische Berufe ergreifen, desto besser werden auch die Rahmenbedingungen für sie in diesen Unternehmen. Wichtig sei es auch, den Mädchen bei der Berufswahl den Rücken zu stärken und zu sagen: “Das schaffst du locker, das kriegst du hin.” Aus der Sicht von Kugi-Mazza müssten auch mehr große Industriefirmen Frauen stärker gezielt ansprechen.

(apa/red)


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