2. April 2019

Millennials

FOMO: Angst, was zu verpassen?

Warum es schwer ist, Millennials auf Dauer zu halten

Die Jagd nach diesen paar zehntausend High Potentials ist nicht immer von dauerhaftem Erfolg gekrönt. Denn so schnell die Nachfolger der Generation X bei einem Unternehmen anheuern, so schnell sind sie auch wieder weg. Bernhard Niesner, Londoner Start-up-Star aus Wien (er wurde 2018 zum britischen „Entrepreneur des Jahres“ gewählt) und Gründer der Sprachlernplattform busuu, weiß das aus eigener, durchaus leidvoller Erfahrung. Die unstete Grundhaltung seiner Generation sieht Niesner, Geburtsjahrgang 1981, also selbst noch knapp ein Millennial, vor allem als eine Reaktion auf die Krise des Jahres 2008.

„Millennials haben in der Krise 2008 die ersten prägenden Berufserfahrungen gemacht und begriffen, dass plötzlich auch alles ganz anders sein kann.“ Bernhard Niesner, Wiener CEO des Start-ups busuu, Britischer Entrepreneur des Jahres 2018

Viele hätten damals die Erfahrung gemacht, wie schnell man einen vermeintlich sicheren Job los sein kann: „Die Reaktion darauf war zu sagen: Gut, wenn das so ist, dann sehe ich meine Jobs auch nur noch als Zwischenstopps und fühle mich nicht zu Loyalität verpflichtet, sondern gehe, sobald ich ein besseres Angebot bekomme.“

Arbeitsnomaden

Die Bereitschaft, einem Unternehmen recht schnell den Rücken zu kehren, sobald man nicht mehr zufrieden ist, kennt auch Georg Horacek. Sie sei längst nicht mehr auf die besonders gefragten Entwickler, Techniker oder Software-Spezialisten beschränkt, erzählt der Personalchef beim oberösterreichischen Flugzeugindustrie-Zulieferer FACC: „Auch Lehrlinge sind zunehmend wechselwillig. Heute ist es für viele junge Leute kein besonders erstrebenswertes Ziel, in ein Unternehmen einzusteigen und dort bis zur Pension zu bleiben.“ Bei FACC versucht man, mit der Situation offen umzugehen. „Wir machen die Tür niemals endgültig zu. Wenn jemand die FACC verlässt, bei dem es uns leid tut, dass er geht, sagen wir immer: Wenn du nach ein oder zwei Jahren draufkommst, dass der neue Job doch nicht so gut ist, kannst du jederzeit wiederkommen.“ Viele tun das auch.

„Wir machen die Tür niemals endgültig zu, wenn jemand die FACC verlässt, bei dem es uns leid tut. Und gar nicht so wenige kommen wieder.“ Georg Horacek, Personalchef FACC

Welt der Optionen
Die Geburtenjahrgänge 1980–1999 neigen, so die landläufige Meinung, auch deshalb zu häufigen Wechseln, weil sie in einer Welt aufgewachsen sind, in der die Angst, eine noch bessere Option zu versäumen, allgegenwärtig ist. So war das Kürzel FOMO („Fear of missing out“ – die Angst, etwas zu verpassen) schon 2014 auf der Liste der Kandidaten für das Jugendwort des Jahres. „Da spielt schon ein wenig diese Tinder-Welt mit hinein“, sagt Harald Katzmair, „die Zwanzig- bis Fünfunddreißigjährigen suggeriert, dass der noch bessere Job vielleicht nur eine Wischbewegung am Smartphone entfernt ist.“

Millenials
Andreas Perotti, bei FACC für die gesamte Konzernkommunikation verantwortlich, ist selber Teil der Jahrtausendergeneration. Dass seine Altersgenossen scheinbar unsteter sind als ihre Mütter und Väter, erklärt er sich auch damit, dass sie eine andere Haltung zu Besitz – und damit zu Status hätten: „Wir sind in einer Welt aufgewachsen, in der man Dinge, die man braucht, nicht zwingend besitzen muss. Musikstreaming hat die CD-Sammlung abgelöst, Car-Sharing das eigene Auto. Das verändert das Denken.“

„Millennials sind in einer Welt aufgewachsen, in der man Dinge, die man braucht, nicht besitzen muss.
Das verändert das Denken.“ Andreas Perotti, FACC

FOMO
(„Fear of missing out“; die Angst, etwas zu verpassen)
Nominiert zum Jugendwort des Jahres 2014, 2016 und 2017; beschreibt das Gefühl der Generation, eine möglicherweise bessere Option (Job, Partner, Event) zu versäumen.


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