2. April 2019

Millenials

Sinnsuche: Genügt „cool“?

Welchen Sinn Millennials in ihrer Tätigkeit suchen

Ganz unempfänglich für materielle Verlockungen sind Millennials natürlich nicht. Weshalb Meinrad Spenger, Steirer und CEO des spanischen Mobilfunkanbieters Masmovil, der das Unternehmen vom kleinen Start-up zum Milliarden-Euro-Unternehmen hochgezogen hat, durchaus auf ein finanzielles Anreizsystem für junge Talente setzt, die länger im Unternehmen bleiben. „Aber es ist auch klar“, sagt Spenger, mit 43 Jahren gerade kein Millennial mehr, „diese Generation sieht die Arbeit nicht mehr nur als bloßes Vehikel zum Geldverdienen. Sie sucht Selbstverwirklichung, interessante Kollegen und ein sinnvolles Projekt.“

Martin Stöckl, Global Head of People & Organization Effectiveness bei der Infineon Technologies AG, kennt die überaus hartnäckige Art, in der Millennials nachfragen: „Bewerber wollen heute wissen: Wie trage ich mit dem, was ich tue, konkret zu einem übergeordneten Ziel bei?“ Das betreffe Bewerber wirklich aller Positionen: vom Projektmitarbeiter am Shop Floor bis zum Controller.

„Für Millennials bedeutet Karriere durchaus, einmal ein Team zu führen und danach wieder untergeordnete Rollen einzunehmen.“ Martin Stöckl, Global Head of Organization Effectiveness, Infineon Technologies AG

Sinnsuche

Mit der Sinngebung tun sich viele Unternehmen jedoch zunehmend schwer. Der allgemeine Hinweis, man helfe durch die Mitarbeit bei einem Innovationsführer, die Welt zu einem besseren Ort zu machen, funktioniert selbst bei den Traumarbeitgebern der Digital Natives wie Apple, Facebook oder Google – Stichwort: digitale Ernüchterung – nur noch bedingt.
Was bleibt, ist eine Sinnsuche, die auf das handfeste Produkt fokussiert. Teil eines Teams zu sein, das ein wirklich außergewöhnliches, weltbekanntes Produkt herstellt, kann Sinn stiften, wie Dietmar Moosbrugger, Personalchef beim Vorarlberger Seilbahnbauer Doppelmayr, feststellt: „Wir produzieren etwas, was begeistert. Was viele Menschen mit Urlaub, mit schönen Erinnerungen verbinden. Da stellt sich gar nicht die Frage nach dem tieferen Kontext. Es macht einfach Sinn.“

„Oft stellt sich bei Millennials nicht die Sinnfrage des Tuns, wenn das Produkt cool ist und Sinn macht.“ Dietmar Moosbrugger, Personalchef, Doppelmayr

Wertebasiertes Hiring

Eine Meinung, die auch Bernhard Niesner, CEO von busuu, teilt. Anstatt potenziellen Mitarbeitern zu erklären, warum die Arbeit bei busuu auch in einem breiteren Zusammenhang betrachtet Sinn macht, betreibt er daher bewusst von Anfang an ein wertebasiertes Hiring: „Menschen, die nur wegen eines coolen Office oder nur wegen der Kohle zu uns kommen, wollen wir definitiv nicht und checken das bei den Einstellungsgesprächen auch sehr genau ab. Wir suchen Leute, denen Sprachen, denen Online-Lernen wirklich ein Anliegen sind.“

„Frühere Generationen haben bei Hierarchie-
konflikten versucht,
diplomatisch zu sein. Millennials sagen: Dafür ist mir meine Zeit zu schade, ich suche mir
was Neues.“

Bernhard Niesner, Wiener CEO
des Start-ups busuu,
Britischer Entrepreneur des Jahres 2018


vorheriges Millennials
weiter Kulturbruch