19. September 2019

Young Talents

Social Natives trumpfen auf

Sie leben im Jetzt, brennen für die gute Sache und in (fast) jedem ihrer Sätze liegt Weisheit: Mit der Generation Z stehen die Social Natives im Einzugsgebiet der Industrie. 25 (sehr) junge Genies, auf die man schon besser heute hört.

 

<< Teil 2

„Solange mich die Arbeit erfüllt, ist alles andere Nebensache.“
Lukas Rogl, Hackathon-Gewinner eines EU-Projekts © beigestellt

11. DER AGILE: Lukas Rogl, 21
Student, Vehicle Data Hackathon-Sieger
In einem Automotive-Hackathon lief der FH-Student zur Hochform auf.

Fürs Programmieren hatte Lukas Rogl schon als Schüler in der HAK Vöcklabruck ein Faible. Und die großen technologischen Umbrüche zogen ihn seit jeher in den Bann: So viele Möglichkeiten, dachte sich Rogl. In den Neunzigern das Internet, in den Nullerjahren die Smartphone- Welt und jetzt die Vernetzung, etwa von Verkehrsteilnehmern, Stichwort Vehicle to Everything. Und erst die neuen Arbeitsformen! Gebrauch machte Rogl davon gleich bei seinem zweiten Bachelorsemester im Studiengang Automotive Computing an der FH Hagenberg: Im Rahmen eines Vehicle Data Hackathons des EU-Projekts SCOTT belegten er und seine beiden Mitstreiter Simon und Alina Rang eins.

Von seinem Arbeitgeber verlangt er nichts Unmögliches: Weiterbildung und Aufstieg, „ein gutes Arbeitsklima und einen netten Chef“. Und wenn es mal länger wird? „Solange die Arbeit erfüllt, ist alles andere Nebensache“, sagt Rogl.

Da sieht er sich in zehn Jahren: in einem innovationsstarken Technikunternehmen oder einem mit Gleichgesinnten gegründeten Start-up
# wurde mit dem WU-Studium nicht glücklich
# liebt es, sein Kreativpotenzial auszuschöpfen
# wandert leidenschaftlich gern im Salzkammergut

„Ich bin mehr der ‚Growth‘-Typ.“
Alexandra Waldherr, Betreiberin eines Mikrobenblogs © beigestellt

12. DIE NETZWERKERIN: Alexandra Waldherr, 17
Schülerin, Mikroorganismus-Bloggerin
Die Wiener Schülerin ging zielstrebig ihren Weg in der Scientific Community.

Sie ist notorische Frühaufsteherin, zumeist um sechs Uhr morgens auf den Beinen. „Da ist die Stadt herrlich ruhig und Ideen am besten“, sagt Alexandra, die mehr der Growth-Typ – Motto: Anfangen macht alles möglich! – ist. Die 17-jährige Schülerin der HBLVA Rosensteingasse entwickelte im Sommer am TU-Institut für Materialchemie für ihre HTLDiplomarbeit umweltfreundliche Synthesemethoden von High-Performance-Pigmenten, und auch sonst bringt ihre Aussage „unglaublich gerne neue Dinge zu entdecken“ es auf den Punkt.

„Misch dich nicht überall ein!“, hörte sie als Kind öfters. Jetzt, ein paar Jahre später, hat sie u. a. Österreich beim International Space Camp repräsentiert, bloggt über Mikroorganismen und nimmt es selbst in die Hand, so viel Neues wie möglich zu konsumieren als auch zu produzieren: „Online geht es im Moment sehr auseinander: Zwischen reduzierten Fun Facts und Fachjargon- Publikationen fehlte mir einfach anschauliche und humorvolle Wissenschaft!“

Da sieht sie sich in zehn Jahren: in der F&E der chemischen Industrie
# mit 12 Jahren Mitglied des Vienna Open Lab-Jugendbeirats
# Programmieren ist ihr „Labor“ ohne Aufräumarbeiten und Explosionsgefahr
# liebt das Tauchen

Jakob Mayrhofer, 18, Co-Gründer Velonto © beigestellt

13. DER SPORTBEGEISTERTE: Jakob Mayrhofer, 18
Der Maturant und vier Freunde gründeten den On-Demand-Lieferdienst Velonto.

„Andere sind jetzt gerade im Bad. Ich habe Verpflichtungen.“
Moritz Lechner, Startup-Gründer © beigestellt

14. DER ENTSCHLOSSENE: Moritz Lechner, 15
Schüler, Start-up-Unternehmer, Freebiebox
Aus einer Idee formte der Wiener ein Start-up mit Expansionslust.

Das Wirtschaftstreiben hat ihn immer schon fasziniert: Mit zwölf war Moritz Lechner Praktikant bei einem Wagniskapitalgeber, zwei Jahre später ging er selbst mit Freebiebox, spezialisiert auf Überraschungsboxen mit Werbeprodukten, unter die Gründer. Seine Überlegung: „Was habe ich außer etwas Taschengeld zu verlieren“, erzählt Lechner. Die Website, mit der alles begann, hat sich Lechner – ganz Minimum Viable Product – selbst zusammengebastelt. „Im Kinderzimmer, mit Youtube-Anleitungen“, erzählt der Schüler der Schumpeter Handelsakademie in Wien-Hietzing.

Geschenkartikel, vorwiegend aus Restbeständen, fänden so Abnehmer. „Zielgruppengenau und ohne Streuverluste“, sagt Lechner. Dafür arbeitet er hart. Die Verpflichtungen nehmen zu, „so einfach zu sagen, heut hab ich keine Lust, heut geh ich schwimmen“ (O-Ton Lechner), das spielt es im Leben des 15-Jährigen nicht mehr. Es gibt ohnedies Spannenderes: Die sukzessive Expansion, erst hierzulande, „später in Europa und vielleicht sogar den USA“, ist in Vorbereitung.

Da sieht er sich in zehn Jahren: definitiv in der Gründerszene
# nimmt für seine Wunsch-HAK eine Anreise quer durch Wien in Kauf
# hat Runtastics-Gründer Florian Gschwandtner als Investor an Bord
# zählt Unternehmen wie Bosch oder OeKB zu seinen Kunden

„Ich und die Teamleitung? Das war ein fast natürlicher Prozess.“
Alina Schärmer, Informatik-Studentin © beigestellt

15. DIE SELBSTDISZIPLINIERTE: Alina Schärmer, 19
Entwickelte zur Matura ein Easy-Vision Bilderkennungs-Framework
Die Tiroler HTL-Absolventin verzichtet für eine Top-Ausbildung auf einige Annehmlichkeiten.

Ihre Entscheidung, nach Wien zu gehen, hat sich Alina Schärmer nicht leicht gemacht: Ihr Freund und ihre Eltern leben in Tirol, und auch in Innsbruck gibt es die Informatik im Studienangebot. In Wien bietet man der Absolventin der HTL Anichstraße, die in ihrem Maturaprojekt im Team ein Easy-Vision Bilderkennungsframework entwickelte, dennoch mehr: „Es gibt hier gleich fünf verschiedene Bachelorstudientypen und die TU genießt einen tollen Ruf“, sagt Schärmer.

Lern- und Arbeitsdisziplin hat sie schon in der HTL unter Beweis gestellt (O-Ton Schärmer: „Da hast du 40 Wochenstunden, während am Gym schon mehr Freizeit bleibt“). Das Maturaprojekt holte bei einem HTL-Wettbewerb Platz drei – da mitzumachen, begründet Schärmer so: „Sonst schreibt man die Arbeit um des Schreibens willen.“ Warum sie ihre Arbeitsgruppe anführte, also die ganze Organisation schupfte? „Das war ein fast natürlicher Prozess“, hält Schärmer den Ball flach.

Da sieht sie sich in zehn Jahren: in einem spannenden F&E-Job
# pendelt zwischen Wien und Innsbruck
# stammt aus einer Lehrer-Familie
# zieht die Uni der „verschulten“ FH vor, obwohl sich dort viel anrechnen ließe

Patrick Krumpel, 19, Entwickler einer automatisierten Fahrzeugbrandsimulation © beigestellt

16. DER VORAUSSCHAUENDE: Patrick Krumpl, 19
Der Absolvent der HTL-Mössingerstraße in Klagenfurt – Schwerpunkt Elektrotechnik – entwickelte mit Kollegen im Maturaprojekt eine automatisierte Fahrzeugbrandsimulation, die künftig etwa von der Asfinag bei Tunnelübungen Einsatz finden soll.

„Die meisten von uns bleiben 80 Jahre auf diesem Planeten. Mit 20 ist bereits ein Viertel davon aufgebraucht“, Benjamin Hadrigan, 17, Lernbuchautor © beigestellt

17. DER UMDENKER: Benjamin Hadrigan, 17
Schulbuchautor, Labelgründer
Der Wiener Schüler bringt mit einem Lernbuch pädagogische Konzepte zum Erschüttern.

Das heimische Schulsystem? Zu Schiefertafel und Frontalunterricht hat Benjamin Hadrigan akzentuierte Ansichten. Das ganze System sei veraltet, allein die streng getakteten Lehreinheiten samt anschließender Pause findet er überdenkenswert. Dienten Pausen Klosterschulen doch früher als Beteinheiten. „Und noch immer hält man an ihnen fest“, wundert sich der Wiener AHS-Schüler. Es wird mehr Schüler geben, die wie er denken. Nicht alle aber gehen gleich unter die Autoren. Im Frühjahr schrieb Hadrigan – ein Einserschüler mit Anlaufschwierigkeiten – sein erstes Buch mit Titel „#Lernsieg.

Erfolgreich lernen mit Snapchat, Instagram und WhatsApp“. Und hat damit einen ersten Erfolg („In sechs Amazon-Kategorien auf der Eins“) gelandet. Eine App ist im Anmarsch, das Gründergen (O-Ton Hadrigan: „Dank Internet ist es heute sehr viel einfacher, seinen Weg zu machen“) scheint ihm in die Wiege gelegt. Warum er dabei auf die Tube drückt? „Den meisten von uns bleiben 80 Jahre auf diesem Planeten. Mit 20 ist bereits ein Viertel davon aufgebraucht“, sagt Hadrigan.

Da sieht er sich in zehn Jahren: In der Selbstständigkeit
# gründete ein Klamotten-Label samt Webshop
# veräußerte dieses im Sommer „still an einen Freund“
# studiert neben der Schule Wirtschaftsrecht

Daniel Honies, 20, Robotik-Weltmeister © beigestellt

18. DER AMBITIONIERTE: Daniel Honies, 20
Robotik-Weltmeister
Um seinen Traum von der Drohnenforschung wahr zu machen, nahm er den Umweg über Deutschland.

Ein Informatik-Studium in Wien? Daniel Honies ist kein Freund von der Großstadt, zu anonym, zu wenig überschaubar sei das alles dort. Aachen dagegen? „Gefühlt die halbe Stadt“ sei Uni, von etwas mehr als 250.000 Einwohnern bilden ein Fünftel Studierende. Der Schritt ins Ausland? Fiel dem gebürtigen Niederösterreicher, der „auf alle Fälle“ (O-Ton Honies) den Master machen will, leicht: Schon in der HTL brachte ihn seine Begeisterung für Fugdrohnen – getriggert durch den Freigegenstand Robotik – im Rahmen von Robotik-Wettbewerben an spannende Destinationen der Erde.

Im Vorjahr holte er sich mit Kollegen den WM-Titel an der US-Westküste ab. Er sei ein „sehr kompetitiver Mensch“, sagt Honies. Einer, der gern den Überblick behalte. Das schnelle Geld? Lockt ihn vorerst nicht. „Lieber größere Ambitionen verfolgen“, sagt Honies.

Da sieht er sich in zehn Jahren: in der F&E-Abteilung eines Corporates oder Start-ups
# stand als Kind „im ständigen Wettbewerb mit dem Zwillingsbruder“ (O-Ton Honies)
# wollte nach der Schule „nur weg“ – und absolvierte den zehnmonatigen europäischen Freiwilligendienst
# jobbt in Aachen bei einer studentischen Initiative

„Betreiben Unternehmen Greenwashing, lehnen wir ab.“
Paul Bäumler, Mitgründer der Corporate Volunteering-Plattform Letsact © beigestellt

19. DER WELTVERBESSERER: Paul Bäumler, 20
Start-up-Unternehmer, Letsact
Mit seiner Plattform für Corporate Volunteering nimmt der Studienunterbrecher CSR-rührige Unternehmen in die Pflicht.

Nein, als Vehikel einer „Umerziehungskampagne“ (O-Ton Bäumler) sei Letsact niemals geplant gewesen. Die „missionarische Arbeit“ überlasse man lieber anderen, sagt Paul Bäumler, neben Ludwig Petersen einer von zwei Gründern des aktuell zehnköpfigen Start-ups in München. Vielmehr gesucht: „Eine coole Lösung“ (Bäumler), um frischen Wind ins Corporate Volunteering, das Ehrenamt für Unternehmen, vor allem in Zusammenarbeit mit Vereinen und Nonprofit-Organisationen, zu bringen.

App und Plattform schaffen diesen schnellen „Match“ – mit den richtigen Idealen. „Da verkauft eine Versicherung dann einmal im Jahr nicht gewinnorientiert Versicherungen, sondern Produkte, die viele Menschen glücklich machen“, sagt Bäumler. Allerdings wolle man „ein Influencer sein, nicht Greenwashing Vorschub leisten“, sagt er. Sehe man „keine Vision oder falsche Absichten“, gönne man sich den Luxus, Corporate-Aufträge abzulehnen.

Da sieht er sich in zehn Jahren: im Corporate Volunteering eine Nummer größer
# durch seine außerschulische Arbeit in Flüchtlingsheimen geprägt
# hat namhafte Investoren wie Purple Orange Ventures an Bord
# will sein BWL-Studium zügig zu Ende bringen

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