19. September 2019

Young Talents

Wirbelwinde im Big Business

Sie leben im Jetzt, brennen für die gute Sache und in (fast) jedem ihrer Sätze liegt Weisheit: Mit der Generation Z stehen die Social Natives im Einzugsgebiet der Industrie. 25 (sehr) junge Genies, auf die man schon besser heute hört.

 

<< Teil 3

„Wir sollten überlegen: Macht ein Smoothie wirklich gesund und ein Auto glücklich?“
Philipp Kalweit, Profihacker © beigestellt

20. DER REFLEKTIERTE: Philipp Kalweit, 19
Profihacker, Unternehmer, Kalweit ITS
Er ist einer der begehrtesten Nachwuchshacker – und macht sich über die Welt so seine Gedanken.

Mit 16 ging er unter die Gründer. Auf der Seite der redlichen Hacker stand er da schon lange zuvor: Philipp Kalweit, heute volljähriger Auftragshacker, berät mit seiner Cybersecurity- Firma Kalweit ITS Konzerne, Banken und Behörden. Auf stattliche Größe sei das Team (Kalweit: „Darunter viele feste Kollegen“) mittlerweile herangewachsen. Bei Bewerbungsgesprächen challenged Kalweit die Interaktion auf gemeinsamen Kajak-Ausfahrten auf der Außenalster.

Das Schlimmste, sagt Kalweit, sei für ihn Routine. Risikobereitschaft, darauf hält er große Stücke. „Das treibt mich an“, sagt Kalweit. Doch Freiheit „beschneidet die Freiheiten anderer“, bringe also immer auch Verantwortung. Zur persönlichen Bespaßung Ressourcen hinterherzujagen, sei kein tragfähiges Gesellschaftskonzept. „Wir sollten überlegen: Macht ein Smoothie wirklich gesund und ein Auto glücklich?“

Da sieht er sich in zehn Jahren: Glücklich! Vielleicht auf einer einsamen Insel?
# will den Mount Everest besteigen
# sucht Ausgleich beim Kajak-Sport
# ist leidenschaftlicher Taucher

„Wir sind schon alle sehr zielstrebig.“
Enea Vlk (re.) und Natalie Fleischmann, Schülerinnen Vienna Business School © beigestellt

21. DIE ZIELSTREBIGE: Enea Vlk 17
Reverse Mentorin der 3M-Geschäftsführung
Enea erweiterte den Social-Media-Horizont eines 3M-Managers am Wienerberg.

Welche Gefahren im Darknet lauern und warum Facebook für viele Junge nicht mehr der Kommunikationskanal ihrer Wahl ist: All das erfuhr 3M-Global Business Director Felix Thun- Hohenstein nicht über die Consultingschiene. Zwei Schülerinnen der Vienna Business School, Enea Vlk und Natalie Fleischmann, teilten ihre Erfahrungen mit dem Manager im Rahmen eines Reverse-Mentoring-Projekts der FH Wien. „Das war für beide Seiten spannend“, sagt Vlk, die später „definitiv“ (O-Ton Vlk) Jus studieren will und sich und ihre Klassenkameraden als „schon recht zielstrebig“ beschreibt.

Von Informationen lässt sie sich gerne „fluten“: Schiller, ein Buch über künstliche Intelligenz und die Klassentheorie stehen aktuell auf ihrer Leseliste.

Da sieht sie sich in zehn Jahren: im Rechtsberuf
# lernte Facebook gar nicht mehr kennen
# verschlingt Sachbücher und Klassiker

22. DIE ENERGIEGELADENE: Natalie Fleischmann, 17
Die Wiener Schülerin Natalie beteiligte sich an einem Reverse-Mentoring-Programm – und fand den Austausch interessant.

Ihr erstes Handy bekam sie in der vierten Volksschulklasse. Um die Eltern von der Schullandwoche aus anrufen zu können. Irgendwann war das Mobiltelefon aus ihrem Leben nicht mehr wegzudenken. Als Treffpunkt für Freunde auf Snapchat oder Instagram. Und vor allem als Informationsquelle. Natalie Fleischmann ist (wie Enea Vlk, siehe Porträt oben) Schülerin der Vienna Business School, Wissen über KI oder das menschliche Gehirn eignet sie sich gern im Internet an. „Doch insgesamt ist mein Medienkonsum eher abnehmend“, sagt Fleischmann. Grund? Real life.

Freifächer, Sport, Events überlagern ihre Webaktivitäten. Dennoch war sie genau die Richtige, um 3M-Manager Felix Thun- Hohenstein im Rahmen eines Reverse-Mentoring- Projekts der FH Wien Tipps für Social Media und das Nutzerverhalten Junger zu geben. Worum es in der Lektion so ging? „Die klassischen Social-Media-Kanäle, aber auch ums Darknet“, sagt Fleischmann.

Da sieht sie sich in zehn Jahren: in einem wirtschaftlichen Beruf
# mag das Rechnungswesen
# achtet auf einen geringen CO2-Abdruck

„Die IT ist mein Zuhause.“ Paul Haunschmied, FH-Student © beigestellt

23. DER WISSENSHUNGRIGE: Paul Haunschmied, 22
Smart-City-Vordenker
Der Hagenberger Softwareingenieursstudent überzeugte in einem Zukunftswettbewerb.

Lampenfieber? Das hat sich Mitte August bei dem Studierenden (Fachrichtung Software Engineering) der FH Hagenberg schon einigermaßen eingestellt. Seine erste Asienreise, noch dazu ins Machtzentrum China: „Eine großartige Erfahrung“ erwarte ihn dort, sagt Paul Haunschmied. Er hat die Gelegenheit dazu beim Schopf gepackt. Die Österreich-Tochter Huawei lud zum Ideenwettbewerb „Seeds for the Future“, Haunschmieds dreiseitiger Essay über Smart-City-Ökosysteme überzeugte die Jury auf voller Länge. Der 14-tägige Trip, der Haunschmied unter anderem nach Shenzhen und Peking führen wird, ist sichtlich gut getaktet:

Neben einem Einführungskurs in Chinesisch stehen unter anderem auch Workshops, etwa in der Huawei-Zentrale, auf dem Programm. Seit jeher zielstrebig unterwegs (O-Ton: „Ich versuche, so viel Bildung wie möglich aufzunehmen, auch autodidaktisch“), setze er beim Sammeln von Erfahrungen auf große Bandbreite, „um Ziele optimal erreichen zu können“, sagt er. Im Juli ist er mit dem Bachelor fertig geworden, jetzt ist der Master an der Reihe. „Die IT ist mein Zuhause“, sagt Haunschmied.

Da sieht er sich in zehn Jahren: in der IT-Welt, als Softwarearchitekt oder Unternehmer
# gefällt die Hands-on-Ausrichtung seines Studiums
# jobbte als Praktikant bei IT-Schwergewichten wie Atos und Dynatrace
# ist Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr Langenstein

„Arbeit ohne Ende. Dafür der Chef im eigenen Haus.“
Florian Schönig, Dualstudent ©beigestellt

24. DER TATKRÄFTIGE: Florian Schönig, 19
Doppelstudium und Reverse-Mentor für Industriemanager
Der Dualstudent gab im Vorjahr als Schüler einem Airbus-Manager Social-Media-Tipps.

Schüler, die Managern die Welt von Social Media erklären: Das klang für Florian Schönig, damals noch Schüler am Kölner Dreikönigsgymnasium, ziemlich einleuchtend. „Da gibt es riesige Unterschiede in der Nutzung“, sagt Schönig. Also sagte er, ohne darüber groß mit sich in Klausur zu gehen, zu. Eingefädelt wurde das Treffen von einem Reverse-Mentoring-Projekt „jung.digital.innovativ“ des Europa-Instituts für Erfahrung und Management der deutschen Rheinischen FH Köln. Als der Tag immer näherrückte, „stieg auch die Spannungskurve“, so Schönig. Das Treffen selbst mit Airbus-Manager Alexander Reinhardt – begleitet von einem TVTeam – in der Berliner Zentrale brachte der Schüler cool über die Bühne. Reinhardt bekam Tipps fürs Multichanneling.

Derzeit spult Schönig als Dualstudent der Informatik auch in den Sommertagen eine 40-Stunden-Woche ab. In seinem Job will er aufgehen, Motto: „Glücklich zur Arbeit fahren“ (O-Ton Schönig). Die Selbstständigkeit sieht er zwiespältig. „Viele Risiken, Arbeit ohne Ende. Dafür ist man der Chef im eigenen Haus“, so Schönig.

Da sieht er sich in zehn Jahren: glücklich im IT-Business
# teilt die Welt ungern in Schwarz und Weiß
# spielt mit Kumpels gern Laser Tag
# findet bei Fitness und Fußball Ausgleich

„Greta Thunberg? Steht auf einer Stufe mit Gandhi.“
Eric Steinberger, KI-Forscher © beigestellt

25. DER BEHARRLICHE: Eric Steinberger, 20
Forschungsmitarbeiter für KI am MIT in Boston
Erfolg stellt sich erst durch Hartnäckigkeit ein, ist der KI-Forscher überzeugt.

Seine Einstiegsdroge war die Quantenphysik. Mit 14 verschlang er Fachbücher und Vorlesungen am MIT, sprach in der Freizeit von nichts anderem als Verschlüsselungstechniken und begriff von alledem doch herzlich wenig. „Ich machte einen Schritt zurück und ließ es langsamer angehen“, erinnert sich Eric Steinberger. Also: HTL Spengergasse, wo ihm Attitüde, Lehrer und Lehrstoff – vor allem das Programmieren – unheimlich taugte. Und Weichen gestellt wurden.

Steinberger ist einer der führenden Nachwuchs-KI-Profis im Land, er forschte in Luxemburg, an der Wiener TU und seit dem Vorjahr ist er an der Bostoner Eliteuni MIT Forschungsmitarbeiter. Vielleicht etwas Glück, vor allem aber Beharrlichkeit hat Steinberger dorthin geführt. Er drücke lieber den „Zweiprozent- Knopf“ (O-Ton Steinberger) hunderte Male, sucht Projekte, die „nach beharrlicher Arbeit“ Erfolg brächten. Greta Thunberg findet er toll, stellt sie gar auf eine Stufe mit Gandhi. Wer würde nicht gern „jedes Jahr nach Thailand fliegen“ und „Rindersteaks essen“. „Aber das „geht halt nicht, solange die Klimaprobleme ungelöst sind“, sagt Steinberger.

Da sieht er sich in zehn Jahren: eng mit der internationalen KI-Forscherszene verwoben
# eignete sich mit 15 über Online-Kurse (etwa des MIT) Grundlagen der Mathematik und Physik an
# Spezialist für Deep Reinforcement Learning
# ist davon überzeugt, mit 20 Lines of Code viele „Sinnlos-Aufgaben“ automatisieren zu können


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