Company Builder

So verändern digital Natives die Geschäftsmodelle der Industrie

Was haben der vorarlberger Energieversorger VKW, der globale Stahlhändler Klöckner & Co und der Maschinen- und Anlagenbaukonzern SMS Group gemeinsam? Sie alle heuerten digital Natives an, die dem Management beim Aufbau neuer Geschäftsmodelle „in house“ unter die Arme greifen. Sind diese Company Builder auch die Bauherren nachhaltigen unternehmerischen Erfolgs?

Das Meeting ist sehr kurzfristig angesetzt – aber für Überraschungen ist Gerhard Günther immer gut: Vertriebsmitarbeiter, Spartengeschäftsführer, Produktmanager – sie alle kommen an dem frühlingshaften Morgen des 25. April um knapp vor 8 Uhr in der Bregenzer Zentrale der Vorarlberger Kraftwerke AG zusammen und lauschen dem Anfangfünfziger. Die fast einstündige Präsentation von Günther, Chef der Innovationstochter der Vorarlberger Kraftwerke AG, schlägt ein wie eine Bombe: Ein völlig neuartiges Produkt, das Privatkunden erlaubt, überschüssigen Strom der hauseigenen Photovoltaikanlage virtuell im Silvretta-Stausee zu parken, soll schon am 26. April, Schlag zehn Uhr, unter der Marke Stromify „echt“ live gehen.

Das Silent Go Live erfolgte bereits vor Wochen. Und für den Warmstart habe jetzt auch der Vorstand, so referiert Günther, endgültig grünes Licht gegeben. Der Vortrag dürfte nicht wenige der anwesenden Manager elektrisiert haben: Ein völlig neues Produkt, eine neue Marke, sogar schon ein öffentlicher Auftritt und ab morgen Werbung – wissen die da oben wirklich, was sie tun? Wer war eigentlich im Vorfeld eingebunden? Und: Warum erfahren wir erst jetzt davon? Wir wissen doch durchaus, was Kunden wünschen, was markttechnisch und produkttechnisch geht – und was nicht: Nämlich, dass das eigene Unternehmen Kunden jetzt ohne Not energieautonom macht – und damit das eigene Geschäft kannibalisiert.

„Wenn es drängt, gehen wir ad hoc ins Thema.“ Gerhard Günther, energielösung4all GmbH

Ein knappes Jahr ist es her, dass Gerhard Günther und Co-Geschäftsführer Martin Seeberger Stromify mit Vlabs auf Schiene brachten. Konzipiert haben das Produkt vier Vorarlberger, keiner über 40: Marcel Grosskopff, Absolvent des renommierten Business Innovation-Studiums der Uni St. Gallen, Lukas Meusburger, ein ehemaliger Unternehmensberater, Andreas Gähwiler, Vertriebsprofi, und der Wirtschaftsforscher Georg Frick, den es – wie seine drei Partner – 2014 ins Gründergeschehen zog. Vier Kumpels, die es in das für Österreich recht neue Geschäft des Company Buildings gezogen hat. Ihre Rolle: Als Berater und Mitarbeiter Impulsgeber zu sein, wo die Industrie zu Overengineering, Trägheit und Tunnelblick neigt.

Mit eigener Manpower und Erfolgsbeteiligungsmodellen Strukturen aufzubauen, in denen mit agilen Methoden und Minimalprodukten neue Geschäftsmodelle und Monetarisierungsformen erdacht werden.

„Wir schaffen das nicht allein“

2015, da ist bei den Vorarlberger Kraftwerken von der Beauftragung eines Company Builders noch keine Rede: Die Moral des handverlesenen, gemischten Entwicklerteams in der Bregenzer Weidachstraße 6 ist hoch. Schließlich ist die Frage, die es zu lösen gilt, eine der wichtigsten Zukunftsfragen des Unternehmens: Wie können digitale Produkte für „Prosumer“, die als Konsumenten und Einspeiser in das Stromnetz auch Produzenten sind, in Zukunft aussehen?

Doch nach vielen Sitzungsrunden verfiegt die Euphorie. Letztlich waren die meisten Teilnehmer mit Tagesthemen mehr als zugedeckt. „In dieser Situation hat sich gezeigt, dass es eine klarere Trennung zwischen bestehenden Strukturen und Innovationsein-heit braucht“, schildert VKW-Technikvorstand Helmut Mennel. Schließlich habe man sich für einen anderen Weg mit „größeren Freiheitsgraden und weniger Aufgaben im Tagesgeschäft entschieden“, sagt Mennel.

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