5. Februar 2019


Kollaborierende Roboter

Cobots für eine bessere Welt

Analysten prognostizieren einen gigantischen Markt für Cobots. Unternehmen investieren, doch einige müssen schon aufgeben.

Cobots sind begehrt. Bis zu 60 Prozent Wachstum prognostizieren Branchenkenner den kollaborativen Robotern – ein Zwei-Milliarden-Markt alleine in Europa und dazu kommen mehr als drei Milliarden in den USA. Über 40 Unternehmen bieten mittlerweile Cobots am Markt an. Sogar klassische Automatisierer wie Pilz entdecken die Robotikwelt für sich. Dazu gesellen sich Igus, Franka Emika mit Voith, Bosch Rexroth und die großen Roboterbauer. Doch nicht jedes Unternehmen schafft es.

Das US-Unternehmen Rethink Robotics – die rot-schwarzen Roboter mit den lachenden Gesichtern – musste vor wenigen Woche das Geschäft einstellen. Die Erfinder der Cobots, Universal Robots (UR) aus Dänemark, reagierten schnell auf die Nachricht aus den USA. Die Dänen übernahmen über 20 ehemalige Mitarbeiter von Rethink Robotics, hauptsächlich aus den Bereichen Engineering und Produktentwicklung. Gegenüber dem amerikanischen Robotikreport bestätigt ein UR-Sprecher, dass das Unternehmen den Rethink-Standort Boston übernehmen wird.

Roboter als Enabler

Esben H. Østergaard, Gründer und CTO von Universal Robots, gilt als Erfinder der Cobots und sieht die Zukunft seiner Produkte nicht nur mehr in der Industrie. „Konsumenten wollen und zahlen in Zukunft noch mehr für Produkte, in denen sie menschliche Fürsorge, Engagement und Kreativität erkennen können. Beispiele sind Uhren, Craft Beer, Tische, Stühle, Designerartikel oder eben auch mit Kohle gefärbtes Steinsalz aus Island. Diese Kunden akzeptieren neue Technologien wie Cobots im Herstellungsprozess, fordern aber vom Hersteller auch den Human Touch“, erklärte Østergaard unlängst im Interview mit dem Magazin Industrial Pioneers der Hannover Messe.

Und der Däne geht noch einen Schritt weiter. Er sieht Cobots nicht als Mittel, um Kosten in der Fertigung zu reduzieren, sondern vielmehr als Technologie, die bessere Produkte ermöglicht und dank der die Anbieter mehr Geld für ihr Produkt verlangen können, weil die Bedürfnisse des Konsumenten besser befriedigt werden können. „Können wir den doppelten Preis verlangen, wenn wir die Bedürfnisse noch besser befriedigen können?“, fragt Østergaard provokant.

Abkehr vom klassischen Fabrikjob

Østergaard und seine Mitstreiter wollen Arbeitsplätze schaffen, die bedeutender, sinnstiftender sind als Fabrikjobs, die über Jahrhunderte entstanden sind. Industrie 5.0 nennen sie das bei UR: Es ist eine Rückkehr zur vorindustriellen Produktion, aber eine, die durch die fortschrittlichsten Technologien ermöglicht wird, so definieren es die Cobotentwickler.

Doch nicht nur die kleinen Geschäfte in der Innenstadt verändern sich. Auch die Industrien, davon ist Østergaard überzeugt: „China versucht weiter, die Fertigung im Land zu halten, aber viele Unternehmen wandern auch wieder ab – in ihre Märkte. Die Digitalisierung, der 3D-Druck und auch Cobots machen das möglich. Die Produktion wird wieder lokaler. Wir werden in Zukunft einige große Fabriken haben, die beispielsweise Aluminium produzieren, aber dann haben wir viele kleine Produktionszentren, die für den lokalen Markt produzieren.“

Keine Messe ohne Cobots

Das haben auch die Wettbewerber erkannt und so kommt kaum eine Industriemesse heute ohne Cobots-Area aus. Sie sind das Sinnbild für die Veränderungen in den Fabrikprozessen. Doch was unterscheidet sie am Ende? Die Safety-Anforderungen sind die Eintrittskarte in den Wettbewerb. Entscheidend ist aber die Programmieroberfläche und die Flexibilität in der Anwendung. Das bedeutet: Der Werker muss dem Roboter schnell neue Aufgaben übertragen können, auch ohne große Programmierkenntnisse. Das bedeutet aber auch: Die Usability und die User Experience werden zum Verkaufsargument. Alle Cobotbauer arbeiten daran. Sie fokussieren sich naturgemäß auf ihre Produkte. Doch was passiert, wenn ein Mittelständler einen Cobot von UR und ABB im Einsatz hat?

Drag&Bot

Das Start-up Drag&Bot hat ein Betriebssystem für Roboter entwickelt, das sich via Drag-and-Drop- Prinzip aus verschiedenen Bausteinen zusammensetzen lässt. Der Vorteil: Das System funktioniert unabhängig von der Hardware und es sind keine Programmierkenntnisse notwendig. Derzeit unterstützt Drag&Bot die aktuellen Robotermodelle von Kuka, ABB, Fanuc, Denso und Universal Robots – an weiteren Kompatibilitäten wird bereits gearbeitet. Dem VDMA war das einen Preis wert. Auf dem Maschinenbaugipfel gewann die Ausgründung aus dem Fraunhofer IPA den Start-up-Preis. Cobots ziehen auch die Jury in ihren Bann.

Autor: Robert Weber


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