23. Oktober 2018

Frauen und Technik 

Stereo-Typ: Frauen in Männerdomänen

Noch immer gelten weibliche Führungskräfte in Technikjobs als Exoten. Wir haben fünf Managerinnen gefragt: Wie offen sind die Türen für Frauen in leitenden Positionen in der Industrie?

Die Fakten sind hinlänglich bekannt: Es gibt zu wenig Frauen in technischen (und naturwissenschaftlichen) Berufen. Und: Es gibt zu wenig Frauen in leitenden Positionen. An fehlenden Programmen zur Frauenförderung, Beratungseinrichtungen und diversen Aktionstagen, deren erklärtes Ziel es ist, Mädchen und Frauen für bislang stark segregierte „Männerberufe“ zu begeistern, kann es nicht liegen. Deren Zahl ist Legion, in der Praxis ist es aber dennoch so, dass nach wie vor zwei Drittel der weiblichen Bevölkerung in sogenannten typischen Frauenberufen arbeiten, während lediglich acht Prozent in „Männerdomänen“, also quasi allem, was irgendwie mit Zukunftsbranchen zu tun hat, tätig sind.

Stehen keineswegs „alle Türen offen“?

Am Bildungsniveau liegt es auch nicht. Bereits seit Jahren gibt es mehr Maturantinnen als Maturanten und an den Universitäten mehr Frauen als Männer, die ihr Studium erfolgreich abschließen. Seit dem Vorjahr ist das übrigens auch an den Fachhochschulen so. Während Personalchefs, Gleichstellungsbeauftragte und Headhunter vor allem die schlechte Vereinbarkeit von Beruf und Familie sowie nach wie vor bestehende geschlechtsspezifische Stereotype ins Feld führen, monieren Wissenschaftler, dass Frauen, die sich für einen technischen Beruf entschieden haben, keinesfalls wie suggeriert „alle Türen offenstehen“ würden. Viel zu viele würden auf Sachbearbeiterniveau bleiben und seien in der Hierarchie weiter unten als ihre Kollegen berichten Frauen, in ihrem Arbeitsalltag als „Exoten“ wahrgenommen zu werden und mehr oder weniger ein Außenseiterdasein zu führen.

MINT ist nicht überall eine „männliche Domäne“

Ging man bislang davon aus, dass die Unterrepräsentanz von Frauen in technischen Berufen mit mangelnder Gleichberechtigung zu tun hätte, zeigte eine im Februar dieses Jahres veröffentlichte, international angelegte Studie (The Gender-Equalitiy Paradox in Science, Technology, Engineering and Mathematics Education), dass genau das Gegenteil davon der Fall ist. In Ländern mit weniger Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern studieren durchschnittlich mehr Frauen MINT-Fächer als in Ländern, die den Global Gender Gap Index anführen. So liegen Algerien, Tunesien und die Vereinigten Arabischen Emirate im Spitzenfeld. Der Frauenanteil bei MINT- Studien liegt hier bei über 40 Prozent. Ein Trend, der auch an der TU Wien zu beobachten ist: 40 Prozent der studierenden Frauen kommen nicht aus Österreich, sondern aus Südeuropa, Osteuropa, aus arabischen Staaten, der Türkei und dem Iran. Der Grund: Nicht überall gilt Technik als ausschließlich männliche Domäne. Hartnäckig an diesem Stereotyp festhalten würde man allerdings nach wie vor in Mitteleuropa und in den USA. Dass diese scheinbar letzte patriarchale Bastion mit Zähnen und Klauen gegen eindringende Frauen verteidigt wird, wäre in diesen Regionen, wie entsprechende Statistiken anschaulich dokumentieren, oftmals keine Seltenheit.

Wir haben fünf Frauen interviewt, die in sogenannten klassischen Männerdomänen arbeiten. Hier sind ihre Geschichten.

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